Doppelter Boden Klasse John Morgan

Doppelter Boden
Klasse John Morgan

Doppelter Boden

Klasse John Morgan

21.06. 18 Uhr (Vernissage)
22.06., 23.06., 29.06. 14-18 Uhr
30.06. 16 Uhr (Finissage)

Banu Alpsü • Ronja Greiner • Jan Hunkemöller • Kim-Camille Kreuz • Jule Kupper • Maxi Lorenz • Finn Loud • Stephanie Passul • Fabio Sacher • Nick Schmidt 

Unter dem Ausstellungstitel “Doppelter Boden” lädt die Klasse John Morgan der Kunstakademie Düsseldorf in eine begehbare Rauminstallation ein, die den Tisch als Objekt in seine verschiedenen Bedeutungszusammenhänge zerlegt. Die KünstlerInnen die mit enormer Wucht, auch feinfühlig und präzise Hand an legen sind: Banu Alpsü, Ronja Greiner, Jan Hunkemöller, Kim-Camille Kreuz, Jule Kupper, Maxi Lorenz, Finn Loud, Stephanie Passul, Fabio Sacher, Nick Schmidt.

Der offizielle Titel der Klasse ‘Entwurf, Typographie und Buchkunst’ spiegelt sich in den Schwerpunkten John Morgans eigener Praxis und gemeinsamen Publikationsprojekten wieder. Die Klasse selbst lässt sich besser als medienunabhängige Klasse der freien Kunst beschreiben, in der Grenzen verschiedener Disziplinen verschwimmen und jede/r Einzelne seine/ihre eigene künstlerische Praxis definiert.

Die Ausstellung ist Teil der Serie advantage book

Stephanie-Passul-Daniel-Seemayer-La-Felce

Exh.Poster: Stephanie Passul & Daniel Seemayer

John-Morgan-Wrestling
Daniel-Seemayer-Stephanie-Passul-La-Felce

Exh.Shirt

Schmetterlings­kuss  Pauline Rintsch

Schmetterlings­kuss
Pauline Rintsch

Schmetterlingskuss

Pauline Rintsch

17.05.2024  18-22 Uhr (Vernissage)
18.05.-16.06.2024 Do+Fr 16-19 Uhr  
16.06.2024 16 Uhr (Finissage)

Amelie Gappa (Kuratorin), Martha Herfort (Szenografie Assistenz), Juliane Schmitt (Grafikdesign) Gefördert vom Kulturamt Köln. 

In ihrer ersten Einzelausstellung Schmetterlingskuss im La Felce in Köln präsentiert die Düsseldorfer Künstlerin Pauline Rintsch  (*1995) neue Arbeiten. In ihren figurativen Malereien setzt sich die Künstlerin mit Themen unseres menschlichen Daseins auseinander: Alltagszenen und -gesten, Freund*innen- und Mutterschaft. Was um sie herum passiert, umtreibt die Künstlerin. Nicht das einsame Genie kreiert, sondern ihre Arbeiten speisen sich aus dem Austausch zwischen Menschen und bieten uns damit Projektionsflächen und Anknüpfungspunkte für persönliche Erlebnisse. Mit offenem Blick und an Details interessiert, baut Pauline Rintsch ihre Arbeiten auf Basis der Objekte oder Momente ihrer Faszination auf. Auch ihre neuesten, kleinformatigen Werke finden ihren Ursprung im direkten Umfeld der Künstlerin, sind aber nun von einem poetisch-märchenhaften Narrativ durchzogen, in dem sich Mensch und Tier annähern: Mal wird die Katze auf dem Kopf eines Kindes zum menschlichen Haar, ein bekleidender Pelz zum schützenden Fell und schlanke Hände zu roten Krallen. Ein anderes Mal recken drei Mädchen gierig ihre Köpfe und Zungen wie Jungvögel zu einer saftigen Erdbeere. Das Tier(ische) dient hier nicht nur als Staffage oder Symbol, sondern verleiht Pauline Rintschs Arbeiten auch eine anti-rationale sowie magische Gestalt.

In her first solo exhibition Schmetterlingskuss (Butterfly Kiss) at La Felce in Cologne, the Düsseldorf-based artist Pauline Rintsch (*1995) presents new works. In her figurative paintings, she explores themes of our human existence: everyday scenes and gestures, friendship and motherhood. The artist is driven by the events and scenes that surround her. It is not the solitary genius who creates, but rather her works are based on the exchange between people and thus offer us scope for projection and points of reference for personal experiences. With an open eye and an interest in details, Pauline Rintsch develops her works on the basis of the objects or moments that fascinate her. Her latest small-format works also draw inspiration from the artist’s immediate surroundings, but are now imbued with a poetic, fairytale-like narrative in which humans and animals draw closer together: The cat on a child’s head becomes human hair, a fur coat becomes protective fur and slender hands become red claws. In another instance, three girls greedily stretch their heads and tongues towards a juicy strawberry, resembling young birds. The animal(ism) serves not only as staffage or a symbol, but also awards Pauline Rintsch’s works an anti-rational and magical form.

Amelie Gappa (Curator), Martha Herfort (Scenography Assistant), Juliane Schmitt (Graphic Design)

La-Felce-Pauline-Rintsch-Amelie-Gappa

»reaching for the stars II«

La-Felce-Pauline-Rintsch-Juliane-Schmitt

Graphic Design: Juliane Schmitt

La-Felce-Pauline-Rintsch-Dirk-Rose-Amelie-Gappa

Installation view Pauline Rintsch. Schmetterlingskuss, La Felce Cologne, 2024 © Pauline Rintsch, Photo: Dirk Rose

Pauline-Rintsch-La-Felce-Amelie-Gappa

»Vasja«

La-Felce-Pauline-Rintsch-Dirk-Rose-Amelie-Gappa

Installation view Pauline Rintsch. Schmetterlingskuss, La Felce Cologne, 2024; Vasja, oil on paper, 2024, 56 x 42 cm © Pauline Rintsch, Photo: Dirk Rose

Pauline-Rintsch-La-Felce-Amelie-Gappa

»providing (Helene + Amaia)«

La-Felce-Pauline-Rintsch-Dirk-Rose-Amelie-Gappa

Installation view Pauline Rintsch. Schmetterlingskuss, La Felce Cologne, 2024; providing (Helene + Amaia), oil on paper, 2024, 56 x 42 cm (left); reaching for the stars I, oil on paper, 2024, 56 x 42 cm (right) © Pauline Rintsch, Photo: Dirk Rose

Pauline-Rintsch-La-Felce

»reaching for the star I«

Pauline-Rintsch-La-Felce

»ohne Titel (symbol of pain)«

La-Felce-Pauline-Rintsch-Dirk-Rose-Amelie-Gappa

Installation view Pauline Rintsch. Schmetterlingskuss, La Felce Cologne, 2024; reaching for the stars II, oil on paper, 2024, 56 x 42 cm (left); Ohne Titel (symbol of pain), oil on paper, 2024, 56 x 42 cm (right) © Pauline Rintsch, Photo: Dirk Rose

Schmetterkingskuss-Pauline-Rintsch-La-Felce-Amelie-Gappa

»Schmetterkingskuss«

La-Felce-Pauline-Rintsch-Dirk-Rose-Amelie-Gappa

Installation view Pauline Rintsch. Schmetterlingskuss, La Felce Cologne, 2024; Schmetterlingskuss, oil on paper, 2024, 56 x 42 cm (left); providing (Helene + Amaia), oil on paper, 2024, 56 x 42 cm (center); Ohne Titel (symbol of pain), oil on paper, 2024, 56 x 42 cm (right) © Pauline Rintsch, Photo: Dirk Rose

La-Felce-Pauline-Rintsch-Dirk-Rose-Amelie-Gappa

Installation view Pauline Rintsch. Schmetterlingskuss, La Felce Cologne, 2024; reaching for the stars II, oil on paper, 2024, 56 x 42 cm © Pauline Rintsch, Photo: Dirk Rose

La-Felce-Pauline-Rintsch-Dirk-Rose-Amelie-Gappa

Installation view Pauline Rintsch. Schmetterlingskuss, La Felce Cologne, 2024; Ohne Titel (symbol of pain), oil on paper, 2024, 56 x 42 cm © Pauline Rintsch, Photo: Dirk Rose

Text: Amelie Gappa       (scroll for eng)

In ihrer Einzelausstellung Schmetterlingskuss zeigt die Düsseldorfer Künstlerin Pauline Rintsch neue Arbeiten. In ihren figurativen Malereien setzt sie sich mit Themen unseres menschlichen Daseins auseinander: Alltagszenen und -gesten, Freund*innen- und Mutterschaft. Was um sie herum passiert, umtreibt die Künstlerin. Nicht das einsame Genie kreiert, sondern ihre Arbeiten speisen sich aus dem Austausch zwischen Menschen und bieten uns damit Projektionsflächen und Anknüpfungspunkte für persönliche Erlebnisse. Mit offenem Blick und an Details interessiert, baut Pauline Rintsch ihre Arbeiten auf Basis der Personen, Objekte, Begriffe oder Momente ihrer Faszination auf.

Auch ihre neuesten, kleinformatigen Werke finden ihren Ursprung im direkten Umfeld der Künstlerin, sind aber nun von einem poetisch-märchenhaften Narrativ durchzogen, in dem sich Mensch und Tier annähern: Mal wird die Katze auf dem Kopf eines Kindes zum menschlichen Haar, ein bekleidender Pelz zum schützenden Fell und schlanke Hände zu roten Krallen. Ein anderes Mal recken drei Mädchen gierig ihre Köpfe und Zungen wie Jungvögel zu einer saftigen Erdbeere. Das Tier(ische) dient bei Pauline Rintschs Arbeiten damit nicht nur als Staffage oder Symbol, sondern verleiht ihnen auch eine anti-rationale sowie magische Gestalt.

Ihre Arbeiten zeigen zudem Gesten der Zuneigung oder des Sich-Kümmerns: Bei providing (Helene + Amaia) steht eine Mutter, die ihrem Kind eine Wasserflasche zum Trinken an den Mund hält, im Zentrum des Geschehens. Die Arbeit Schmetterlingskuss, die titelgebend für die Ausstellung ist, verbildlicht eine besondere Art des Kusses, bei dem mit dem Auf- und Zuschlagen der Wimpern die Wange des Gegenübers liebkost wird. Diese Geste nimmt die Künstlerin als Ausgangspunkt für ihre Malerei und kombiniert sie mit dem Portrait eines Freundes.

Flach ohne Rahmung an die Wand angebracht, stehen die Werke sich und den Betrachtenden gegenüber. Ohne Rahmung – ohne Schutz, ohne Schmuck – und damit verletzlicher. Im La Felce werden sie zusätzlich durch Paravents aus Holz und Papier in den Raum gebracht, treten zurück und hervor und erlauben neue Blickwinkel. Wie herangezoomt erscheinen viele der Malereien – ausschnitthaft – und geben keinen Ort des Geschehens zu erkennen. Verbunden mit einer symbolträchtigen Bildsprache erhalten sie eine parabelhafte Gestalt und lassen Raum für ihr Weiterdenken. 

(Eng)

In her solo exhibition Schmetterlingskuss (Butterfly Kiss) the Düsseldorf-based artist Pauline Rintsch presents new works. In her figurative paintings, she explores themes of our human existence: everyday scenes and gestures, friendship and motherhood. The artist is driven by the events and scenes that surround her. It is not the solitary genius who creates, but rather her works are based on the exchange between people and thus offer us scope for projection and points of reference for personal experiences. With an open eye and an interest in details, Pauline Rintsch develops her works on the basis of the persons, objects or phrases that fascinate her.

Her latest small-format works also draw inspiration from the artist’s immediate surroundings, but are now imbued with a poetic, fairytale-like narrative in which humans and animals draw closer together: The cat on a child’s head becomes human hair, a fur coat becomes protective fur and slender hands become red claws. In another instance, three girls greedily stretch their heads and tongues towards a juicy strawberry, resembling young birds. The animal(ism) serves not only as staffage or a symbol, but also awards Pauline Rintsch’s works an anti-rational and magical form. 

Her works also show gestures of love or caring: in providing (Helene + Amaia), a mother holding a bottle of water to her child’s mouth is at the centre of the scene. The work Schmetterlingskuss, which gives the exhibition its title, visualises a special kind of kiss in which the cheek of the other person is gently touched by opening and closing the eyelashes. Pauline Rintsch took this gesture as the starting point for her painting and combined it with a portrait of a friend.

Mounted flat on the wall and left unframed, the works face each other and the viewer. Without frames – without protection, without decoration – making them more vulnerable. In La Felce, they are additionally placed in the space by folding screens made of wood and paper, retreating and emerging and allowing new perspectives. Many of the paintings appear as if zoomed in – cropped – without revealing the original scene. Combined with symbolic imagery, they take on a parable-like form and leave room for further thought.

Soft Spot   Julia Jesionek

Soft Spot
Julia Jesionek

Soft Spot

Julia Jesionek

15.03. 18-22 Uhr (Vernissage)

16.03.-14.04.2024 Do+Fr 16-19 Uhr
+ 18.04., 25.04., 26.04. 16-19 Uhr | 27.04. 16-22 Uhr, 28.04. 16-20 Uhr (c/o Pop Festival)

Exh.Team: Julia Jesionek,
mit Meike Eiberger (Ausstellungstext), George Popov (Plakat), Timo Schmidt (Ausstellung)

Spinnen, Schmetterlinge, auch Hufeisen; Sehnsüchte, Verletzlichkeit, auch Nacktheit, naked  nicht nude. Julia Jesionek erzählt in ihren Arbeiten mit einer ehrlichen Fröhlichkeit von Bedürfnissen, Konflikten und Geheimnissen. Erzählt werden sie in Bildwelten, hybrid bestehend aus fiktiven Orten und aus welchen, die es schon gibt – im Innersten oder dort, wo es sich unbeobachtet fühlen lässt.

Soft und intensiv zugleich, ein schmunzelndes Verharren und Prüfen dazwischen sind charakteristisch für ihre Zeichnungen und Malereien. Die wiederkehrende Protagonistin und Charaktere lassen ein Selbstporträt vermuten. Durch die spürbare Ambivalenz wird schnell deutlich, dass die Ausstellung über ein reines Erzählen hinausgeht.    TS

Info Julia Jesionek

La-Felce-Julia-Jesionek-George-Popov

Exhibition Poster: George Popov

Once more with feeling  Text von Meike Eiberger   
(scroll for eng)

Ich habe eine Schwäche für das Unbestimmte, für nahtlose Übergänge, für das Ausleben von Gefühlen, für das Tagträumen und für die leisen Töne. Mit Blick auf die Arbeiten Julia Jesioneks bekomme ich den Eindruck, dass unsere Vorlieben ähnliche sind. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ihre Gemälde uns dazu aufrufen, uns mit den Gedanken und Gefühlen der Künstlerin zu verbinden, sodass die Grenzen zwischen den Affinitäten verschwimmen. Entziehen kann man sich den leuchtenden Farben und surreal anmutenden Szenen keinesfalls, stattdessen lockt uns die Künstlerin immer weiter in ihre fantastischen Sujets. Derart werden wir Teil ihrer Kunst, erleben unmittelbar die Affekte der Dargestellten – wer sich darauf einlässt wird mit einer Reise durch das Innerste belohnt, die nicht zuletzt Auskunft über uns selbst geben kann.

Es brummt, zischt und wummert, wenn die Künstlerin sich ans Werk macht. Wie von Zauberhand werden Farben mithilfe der Airbrushpistole in winzige Partikel zerstäubt und lokalisieren sich durch den Luftdruck auf der Leinwand. So reiht sich Mintgrün an Indigo und Rosa an Rot. Blicken wir auf die Gemälde Jesioneks, ist das Wummern immer noch aus der Ferne zu hören. Es bietet uns Orientierung in dieser künstlerischen Welt, die zwar an die Realität erinnert, aber nichts mehr mit ihr gemein hat. Wummernd fühlen sich ebenso unsere Augen, wirken doch viele der Bilder, als ob auf ihnen ein Weichzeichner liegt, der die permeablen Grenzen zwischen unserer Realität und der inneren Welt der Künstlerin verwischt. Vor lauter Neugier tauchen wir bereitwillig in diese Szenen voller starker Protagonist:innen, fantastischer Wesen und allerlei seltsamen Gegenstände ein.

La-Felce-Julia-Jesionek

So findet man sich, ähnlich wie die auf das Blatt geschossenen Pigmente, inmitten dieser surrealen Szenerien wieder. Ist das noch Traum oder Wirklichkeit? Und wenn ja, in wessen Traum bin ich hier eigentlich? Vielleicht träumt die rothaarige Figur in meandyoumories gerade auch von mir und ist genauso verdutzt, wie ich in diesem Moment. Ruhig liegt sie auf einer Vielzahl von Dingen und gleicht dabei einer Prinzessin auf der Erbse. Schlüssel, Teekanne, Kamm und Hufeisen sowie Häschentasse scheinen wie gemacht für diesen tiefen Schlummer. Durch die zarten Farben und die flauschige Textur des Farbauftrags wirken alle Beteiligten in sich selbst federleicht und tuffig. Zu gern würde auch ich dort ein Schläfchen machen – gut bewacht von der rosa Schlange und der Taube. Im Traum werde ich Teil dieser Ordnung, zerfließen meine eigenen Erinnerungen, die zu geteilten werden. Nur das Fieberthermometer lässt die Realität für einen Augenblick aufblitzen – handelt es sich bei dieser wunderbaren weichen Watte-Welt vielleicht doch nur um einen Fiebertraum? Dann wäre es kein Wunder, dass der Kopf so dröhnt – oder ist das womöglich jenes vibrierende Echo, das auf die Entstehung des Werkes verweist?

Viel Zeit darüber nachzudenken bleibt nicht, denn der Blick möchte weiterwandern, sehen, wie diese wundersamen Bild-Geschichten sich weiterspinnen. Vor unseren Augen entwickeln sich die Gemälde zu einer Art Narration – wenngleich die Szenen keine eindeutige Abfolge vorgeben. Durch ihre Durchlässigkeit finden die unterschiedlichen Sujets zueinander, so wie Jesioneks Gedanken und Affekte zu den meinen. Ich fühle mit bei den weinenden Gesichtern, deren große Tränen auf den Boden fallen und den Bilduntergrund wie bei Pond of You zu durchtränken scheinen. Der Eindruck, im wahrsten Sinne einen Tränenteich vor sich zu haben, verstärkt sich durch die Materialität der Malerei: Statt einer Leinwand ist ein Frottee-Handtuch notwendig, um all den Gefühlen gerecht zu werden. Ich fühle die sanften Umarmungen, die Kraft spenden und sich nicht nur auf menschliche Akteur:innen beschränken. In diesen surrealen Konstellationen, dieser Traumwelt erscheint alles möglich – hier kann jede Emotion in ihrer noch so kleinsten Nuance ausgelebt werden!

Bei dieser gnadenlosen Offenheit ist es nur logische Konsequenz, dass viele der Personen in Jesioneks Werken nackt oder nahezu nackt sind. Im Innersten gibt es keinen Raum fürs Verstellen, für Maskeraden oder Pokerfaces. Hier gibt es keinen Grund zu performen. „Nackt zu sein, bedeutet man selbst zu sein“ (Im Original: „To be naked is to be oneself.“) konstatierte 1972 John Berger in seinem vielbeachteten Essay „Ways of Seeing“. Haut fungiert als zarte und permeable Grenze zu unserer Außenwelt. Nackt zu sein bedeutet darum nicht zuletzt, im besonderen Maße verletzlich zu sein. Im Umkehrschluss ermöglicht nackt sein eine tiefergehende Wahrnehmung der Umgebung, merken wir doch unbekleidet jede kleine Nuance des Windes oder der Temperatur auf unserer Haut.


Wie Gefährtinnen begleiten uns die rothaarigen Figuren durch diese inneren Welten. Mal schauen sie uns direkt an, ein anderes Mal sind sie nur klein im Hintergrund zu sehen. Schnell sind wir dazu geneigt, sie als Selbstporträts der Künstlerin zu identifizieren, doch das wäre eine zu eindimensionale Betrachtung. Vielmehr fungieren sie als Alter Ego: wo es schwer fällt voll und ganz nackt, im Sinne von authentisch, zu sein, zeigen sie auf, was in der Imagination bleibt. Sie dienen uns ebenso als Rezeptionsfiguren, wenn wir ihnen gegenüberstehen oder hinter ihrem Rücken auf das Geschehene blicken. Sie eröffnen uns diese Denkräume der Situationen und Affekte, bieten den Anker, um vollends in diese eintauchen zu können. Ob betrübt, fröhlich, stolz oder zufrieden – ähnlich einer Blaupause demonstrieren sie uns, was auf der Klaviatur der Emotionen möglich ist.


In diese, durch die Maltechnik weich anmutenden, Werke ziehen darum auch schwierige Gefühle ein. Mit wütendem und misstrauischem Blick taxiert uns die rothaarige Figur in
Slow Burn. Der sonst so oft in leuchtenden Farben gestalte Hintergrund ist hier verdunkelt, die zarten Schmetterlinge wirken wie aufgeschreckt. Im Mittelalter wurde die Brennnessel genutzt, um böse Geister und Dämonen abzuwehren. Es wirkt beinahe so, als hätte die Protagonistin sie mithilfe des Blicks herauf beschworen, um sich gegen vermeintlich feindliche Einflüsse zu schützen. Ärger und Misstrauen bekommen so ein Gesicht und bedeuten uns keinen Schritt näher zu kommen. Was im Alltag allzu oft mit einem falschen Lächeln übergangen und im Inneren ausgetragen wird, tritt hier an die Oberfläche. Als ironische Brechung des Geschehens lässt sich die Miniatur des kleinen silbernen Bärchen in der linken unteren Ecke verstehen. Komplementär zur Rothaarigen lächelt uns der Bär an, als ob er kein Wässerchen trüben könnte. Wie das Anschauen von süßen Tiervideos im Internet, so entpuppt sich auch das Sticker-Bärchen als adäquater Coping Mechanismus für schwierige Gefühle. Zugleich lassen sich die beiden Bildebenen umdrehen und als Aufforderung verstehen, im Alltag nicht immer das lieb dreinblickende Bärchen zu mimen, sondern auch widerspenstige Affekte zuzulassen und ihnen mehr Raum einzugestehen.

Es sind diese Ambivalenzen, die sich in den Bilder Jesioneks stetig auftun. In Form von Zweideutigkeiten, doppelten Böden oder Interferenzen rufen sie zuweilen Irritationen hervor, eröffnen aber einen ebenso breiten Interpretationsspielraum. Die zarte Machart der Gemälde wird durch die zum Teil düsteren und ernsten Sujets gebrochen. Die Protagonistinnen ziehen uns hinein in das Geschehen, nicht ohne sich zuweilen wieder von uns zu distanzieren. Die Werke leben vom Dazwischen, vom Uneindeutigen, aber ebenso von unserer Bereitschaft uns allumfänglich auf dieses Wechselspiel einzulassen. Und so wummert es weiter…

 

Julia Jesionek, geboren 1998 in Gifhorn studierte bis 2023 an der Kunsthochschule für Medien Köln. Ihre Arbeit in den Bereichen Zeichnung, Malerei und Animation beschäftigt sich oftmals auf spielerische Art und Weise mit den Themen Körperlichkeit und Introspektion. 2022 war sie mit ihrem Kurzfilm Fulfillmenot bei den Kurzfilmtagen Oberhausen, dem Kurzfilmfestival Köln sowie auf weiteren internationalen Festivals vertreten. Ihr Abschlussfilm Everythingness feiert im Mai Premiere in Oberhausen. Mit ihren Gemälden präsentiert sie im La Felce nun ihre erste Einzelausstellung.

La-Felce-Julia-Jesionek-Julia

Julia Jesionek

La-Felce-Julia-Jesionek-soft-dumpteuse

Dumpteuse (2024), 102,5 x 142,5 cm

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Pond of You (2024), 65 x 48 cm

I have a soft spot for the uncertain, for seamless transitions, for letting feelings run wild, for daydreaming and for quieter notes. When I look at the works of Julia Jesionek I get the impression that our preferences are alike. Perhaps it is also that her paintings invite us to connect with the artist’s thoughts and feelings, so that the boundaries between affinities become blurred. One cannot quite escape from the bright colors and surreal scenes, instead the artist lures us further and further into her fantastic subjects. Thus, we become part of her art, directly experiencing the emotions of the depicted characters – those who allow themselves to do so will be rewarded with a journey through the innermost, which can ultimately give us insight into ourselves.

It hisses, sizzles and hums when the artist sets to work. As if by magic paints are atomized into tiny particles and spread across the canvas through the air pressure. Mint green lines up with indigo and pink follows red. When we look at Jesionek’s paintings, we can still hear the humming from afar. It offers us orientation in this artistic world, which is reminiscent of reality but no longer has anything in common with it. Our eyes as well feel like they are buzzing, as many of the paintings appear seen through a soft-focus lens that blurs the permeable boundaries between our reality and the artist’s inner world. Driven by curiosity, we willingly immerse ourselves into these scenes full of strong protagonists, fantastical beings and all kinds of strange objects.

Like the pigments shot onto the sheet, we find ourselves in the midst of these surreal scenes. Is this still a dream or reality? And if so, whose dream am I actually in? Perhaps the red-haired character in meandyoumories is also dreaming of me, as baffled as I am in this moment. She is lying calmly on a variety of things and resembles a princess on a pea. Keys, teapot, comb and horseshoe and bunny cup seem tailor-made for this deep slumber. Through the delicate colors and the fluffy texture of the application of paint, all the subjects appear inherently light and delicate. I too would love to take a nap there – well guarded by the by the pink snake and the dove. In my dream, I become part of this order, my own memories melting meant to be shared. The thermometer makes reality flash up for a moment – is this wonderful soft cotton world merely a fever dream? Then it would be no wonder that your head is pounding – or is that perhaps the vibrating echo that refers to the creation of the painting?

There is little time to contemplate because the gaze wanders on, to see how these wondrous stories continue to unfold. Before our eyes, the paintings develop a kind of narrative – even though the scenes do not follow a clear chronology. Through their permeability, the different subjects find their way to each other, just as Jesionek’s thoughts and emotions to mine. I empathize with the weeping faces, the large tears falling to the floor and seeming to soak the background of the painting, as in Pond of You. The impression of literally having a pond of tears in front of me is intensified by the by the materiality of the painting: instead of a canvas, a towel is needed to take in all the feelings. I feel the gentle embraces that give strength and are not just limited to human characters. In these surreal constellations, this dream world, anything seems possible – here, every emotion can be lived out in its subtlest nuance!

Given this straightforward openness, it is only logical that many of the characters in Jesionek’s works are naked or almost naked. Within, there is no room for disguise, for masquerades or poker faces. There is no reason to perform here. “To be naked is to be oneself” John Berger stated in his highly acclaimed 1972 essay “Ways of Seeing”. Skin acts as a delicate and permeable threshold to the outside world. Therefore to be naked means to be particularly vulnerable.

Conversely, being naked allows us to perceive our surroundings more profoundly, as we notice every little nuance of the wind or the temperature on our skin. Like companions, the red-haired characters accompany us through these inner worlds. Sometimes they look directly at us, other times they can only be found in the background. We are quickly inclined to identify them as self-portraits of the artist, but that would be too one-dimensional of a view. Rather, they function as alter egos: where it is difficult to be fully, completely naked, in the sense of authentic, they show what remains in the imagination. They also serve us as figures of reception whether we stand facing them or peek from behind their backs. They open up these mental spaces of situations and emotions, providing the anchor that allows us to fully immerse ourselves. Be it sad, happy, proud satisfied – like a blueprint, they demonstrate what is possible on the palette of emotions.

The artworks, which appear soft due to the painting technique, do incorporate difficult feelings as well. The red-haired character in Slow Burn gazes at us with anger and suspicion. The background, which is otherwise so often painted in bright colors, is darkened, the delicate butterflies appear startled. In the Middle Ages, burning nettles were used to ward off evil spirits and demons. It almost seems as if the protagonist has conjured them to protect herself against seemingly hostile influences. Anger and mistrust are thus given a face and indicate that we are not to come closer. What is all too often brushed over with a false smile in everyday life and dealt with internally comes to the surface here. The little silver bear in the bottom left-hand corner can be understood as an ironic refraction of what is happening. Complementary to the character, the bear smiles at us as if butter wouldn’t melt in its mouth. Just like watching cute animal videos on the internet, the sticker bear turns out to be an adequate coping mechanism for difficult feelings. At the same time, the two image levels can be flipped and understood as an invitation to allow unruly emotions and grant them space rather than ever miming the sweet-faced bear.

It is these ambivalences that constantly emerge in Jesionek’s paintings. In the form of ambiguities, false bottoms or interferences, they sometimes cause irritation, however opening up an equally broad scope for interpretation. The delicate style of the paintings is contrasted by the sometimes gloomy and serious subjects. The protagonists draw us into the story, not without at times distancing themselves from us again. The works draw from the in-between, from the ambiguous, but also from our willingness to fully engage in this interplay. And so they hum on…

Julia Jesionek, born 1998 in Gifhorn, graduated from the Academy of Media Arts Cologne in 2023. Her work in the fields of drawing, painting and animation often deals in with the themes of physicality and introspection in a playful manner. In 2022 her animated short film Fulfillmenot was screened at the Oberhausen Short Film Festival, the Cologne Short Film Festival as well as other international festivals. Her graduation film Everythingness, will be premiering in Oberhausen in May. With her paintings, she is now presenting her first solo exhibition at La Felce.

La-Felce-Julia-Jesionek-view

Exh. view Soft Spot

La-Felce-Julia-Jesionek-soft-spot-meandyoumories

meandyoumories (2024), 72,5 x 92,5 cm

La-Felce-Julia-Jesionek-lock

Exh. view

La-Felce-Julia-Jesionek-slow-burn

Slow Burn (2024), 142,5 x 102,5 cm

La-Felce-Julia-Jesionek-view-Timo-Schmidt

Exh.view

La-Felce-Julia-Jesionek-escape-goat-detail

Escape Goat (Detail)

La-Felce-Julia-Jesionek-soft-soft

Exh. view

La-Felce-Julia-Jesionek-calves

Exh. View

Das Blatt

Das Blatt

UND WER LIEST IHNEN VOR, WENN SIE MAL TRAURIG SIND?

Das Blatt. Die Bar
01.03 & 02.03.2024 – je 19 Uhr / 7 pm

mit / with
Tamara Goehringer
Leon Hartmann
Paul Koloseus
Jonathan Mink
Pauline Schröer
Elisa Penth

Die wohl kleinste Bar Kölns feiert am ersten Märzwochenende im La Felce ihre kurzweilige Eröffnung. Die Betreiber:innen der Bar und des Magazins Das Blatt laden Sie herzlich dazu ein, auf beides anzustoßen. Garantieren können wir zwar nicht für einen Sitzplatz, dafür aber für freundliche Bedienung im netten Ambiente und natürlich für prima Texte.

 –

What is probably Cologne’s smallest bar celebrates its opening at La Felce at the first weekend in March. The owners of the bar and the magazine Das Blatt cordially invite you to raise a glass to both. We can’t guarantee a seat, but friendly service in a pleasant atmosphere and, of course, great texts.

[the readings will be in German]

Teil der Serie / Part of the series Advantage Book, eingeladen von / invited by Amelie Gappa

Amelie-Gappa
La-Felce-Amelie-Gappa-Das-Blatt

Tamara Goehringer

La-Felce-Amelie-Gappa-Das-Blatt-Jonathan-mink

Pauline Schröer und Jonathan Mink

La-Felce-Amelie-Gappa-Das-Blatt
Das-Blatt-Gappa-Amelie-La-Felce-Gurke
La-Felce-Amelie-Gappa-Das-Blatt-Köln

Pauline Schröer und Elisa Penth

La-Felce-Amelie-Gappa-Das-Blatt-die-bar
Das-Blatt-Amelie-Gappa-La-Felce
Das-Blatt-La-Felce-Amelie-Gappa
Samuel Ellinghoven   Yongkuk Ko  Brigita Noreikaitė⁣⁣

Samuel Ellinghoven
Yongkuk Ko
Brigita Noreikaitė⁣⁣

a resounding tinkle⁣⁣

Samuel Ellinghoven, Yongkuk Ko, Brigita Noreikaitė⁣⁣

Finissage: 03.12., 3-6 pm | artist talk 4 pm

Artist Talk with Samuel Ellinghoven, Yongkuk Ko, Brigita Noreikaitė + guest Karla Zipfel

Opening: 27.10., 19 Uhr / 7 pm

Curated by Amelie Gappa ⁣⁣
Graphic Design by Juliane Schmitt

27.10.-03.12.2023

Mit einladender Geste ruft es „Welcome Home“⁣⁣
abwehrend sagt es „Achtung vor dem Hund!“⁣⁣
am Ende eines geschwungenen Schotterweges wartend⁣⁣
oder verborgen hinter hohen Hecken, Spitzenvorhängen, Rollläden⁣⁣
mit Geschichte(n) erfüllt⁣⁣
stilisiert ein Kasten, den manche/r „zu Hause“ nennt.⁣⁣

⁣⁣–⁣⁣

⁣⁣With an inviting gesture it calls out “welcome home”
defensively it says “watch out for the dog!”⁣⁣
waiting at the end of a winding gravel path⁣⁣
or hidden behind high hedges, lace curtains, shutters⁣⁣
filled with history(ies)⁣⁣
stylised a box that some might call “home”.⁣⁣

La-Felce-tinkle-Samuel-Ellinghoven-Yongkuk-Ko-Brigita-Noreikaite-Juliana Schmitt

Exh.Poster: Juliane Schmitt

Amelie-Gappa-La-Felce-Samuel-Ellinghoven

Installation view a resounding tinkle, La Felce Cologne 2023, Samuel Ellinghoven, Zuhause ist da, wo nicht nur der Schlüssel passt, sondern auch das Herz sich wohl fühlt, 2023, Marble, hot glue, stainless steel chain, key rings, 80 x 15 x 6 cm (left); our home is our castle, 2023, Hot glue, frosted glass foil, 190 x 188 cm (right), courtesy the artist, Photo: Dirk Rose

La-Felce-tinkle-Samuel-Ellinghoven-Yongkuk-Ko-Brigita-Noreikaite-Juliana Schmitt
Amelie-Gappa-La-Felce-Yongkuk-Ko

Installation view a resounding tinkle, La Felce Cologne 2023, Yongkuk Ko, sunday dawn, 2023, wooden strip, wooden plate, found objects, lamp, artificial snow, 20 x 30 cm, courtesy the artist, Photo: Dirk Rose

Brigita Noreikaitė-Amelie-Gappa-La-Felce

Installation view a resounding tinkle, La Felce Cologne 2023, Brigita Noreikaitė only when not observing can the particle become a wave, 2023, pencil on paper, modeling clay, epoxy resin, 30 x 40 cm (left); act spooky, 2023, pencil on paper, modeling clay, epoxy resin, 30 x 40 cm (right), courtesy the artist, Photo: Dirk Rose

Amelie-Gappa-La-Felce-Samuel Ellinghoven

Samuel Ellinghoven, Zuhause ist da, wo nicht nur der Schlüssel passt, sondern auch das Herz sich wohl fühlt, 2023, Marble, hot glue, stainless steel chain, key rings, 80 x 15 x 6 cm, courtesy the artist, Photo: Dirk Rose

a resounding tinkle –  Text: Amelie Gappa

EN

If you ask people to draw a house, this is what you usually get: A square as a structural body with a triangle as a roof, fitted here and there with windows or doors. From childhood onwards, it is a popular motif. A tree and some lawn mark the landscape outside, not to forget the sun in the corner. It is astonishing to see how quickly and with how few strokes something so charged with meaning can be created.

Etymologically, Haus (house) has its origins in the Old High German term hûs, meaning something that covers or envelops, and shares linguistic roots with the German word Haut (skin). However, the house as an architectural shell only has a supposedly protective function. The home can function as a shelter, as a place for rest and peace, but it can also turn into a space of fear, through physical or psychological violence or just the gossip of the neighbours, which sounds like a whisper through the street.

Housing is a basic human need and represents the centre of life, influences us in our everyday actions, and can provide privacy, health and well-being. At the same time, it serves the purposes of self-expression and representation, from the inside as well as from the outside, and reflects the social status of the inhabitants. Today, building or buying a house, der “Traum vom Eigenheim” (the dream of home ownership) is a discontinued model, on the one hand it is not environmentally friendly and on the other hand it is financially difficult to realise and thus only guaranteed to a small exclusive group. Nevertheless, it still exists: the collective desire for “die eigenen vier Wände” (one’s own four walls). The exhibition a resounding tinkle examines the private sphere as an individual cosmos of each individual – hidden behind walls, memories, traditions, bourgeois stereotypes, clichés.

Samuel Ellinghoven’s preferred media are sculpture and installation. For the exhibition, he created a work for the shop window of La Felce that falls somewhere between painting and relief. In his practice, he repeatedly confronts traditions, bourgeois stereotypes and clichés. our home is our castle (2023) is what Ellinghoven himself calls a transformative modern-bourgeois kitschy wall painting that translates traditional Bavarian Lüftlmalerei into a contemporary form. He takes the familiar English proverb “My home is my castle”, which describes the home as a place of protection, an impregnable castle, and mixes it with other kitsch moments. With their hands on their hips, two figures guard their fictitious home, surrounded by high defensive fences and an obligatory pet. The symmetrically designed motif is made of hot glue and frosted window film, which, sometimes lightly structured, sometimes patterned, denies us a view into the interior of the room – only specific glimpses through cut-out fragments are possible.

Ellinghoven’s work Zuhause ist dort, wo nicht nur der Schlüssel passt, sondern auch das Herz sich wohl fühlt (2023) (Home is where not only the key fits, but also the heart feels at home) serves as an ironic response to the idea of the home as a fortified castle: For if not under the doormat or the flowerpot, the spare key can be found under the decorative stones and admission is granted at all times.

Yongkuk Ko’s sculptures take up the form of window (frames), but do not provide a view to the outside. Instead, they function as showcases, containers for memories and longings. The miniatures he finds at the flea market or on Ebay are objects with a history that he collages into something new. Many of the figures come from the domestic sphere – a chair, a bench, a vase with flowers – which supports the impression of a separate microcosm. The doll-like cuteness meets elements that appear somewhat threatening or that transfigure the first impression, such as scratches, traces of fire on wood, or illusory shadows on glass. Miniatures themselves are also emblematic of the ambivalence inherent in Yongkuk Ko’s works, as they always give the viewer the impression of control, but at the same time represent a life determined by unknown forces.

Brigita Noreikaitė’s drawings demonstrate her interest in the enigmatic, the hidden and the subconscious. They show us spaces where reality and the dream world merge: A horse in a bedroom amidst numerous fragilely shaped vases, or a woman looking for a way out, while water seems to rise ominously in both rooms. The horse as a magical being appears again and again in fairy tales, myths or even surrealist paintings. It stands for mystery, for the untamed and directs the viewer’s gaze to questions outside the “proverbial domestication of thought”. Symbols that refer to parallel worlds are also encountered by the viewer and support the surreal impression: an eternally long staircase leading to nowhere or an open window with no discernible view. C.G. Jung describes the house “as an extension of the soul”. The rooms in which we live are never only determined by their form or inventory, but are shaped by the individual experiences, memories, fears and traumas of their inhabitants. Brigita Noreikaitė’s drawings reflect on these realms of our psyche.

1) German Dictionary by Jacob and Wilhelm Grimm 1877, IV 2 , vol. 10, col. 641.
2)
Hauenstein, Hanno: Göttliche Pferde, maskierte Hyänen und tänzelnde Hunde, in: Schirn Mag, 30.01.2020, URL: www.schirn.de/magazin/kontext/2020/fantastische_frauen/fantastische_frauen_surreale_tiere_mischmisch/ (accessed: 23.10.2023).
3) C.G. Jung quoted by Raap, Jürgen: Die Dritte Haut: Häuser, in: Kunstforum Bd. 182 – Die dritte Haut: Häuser I, URL: //www.kunstforum.de/artikel/die-dritte-haut-hauser/ (accessed: 24.10.2023).

DE
Bittet man Personen ein Haus zu zeichnen, so bekommt man meist Folgendes zu sehen: Ein Quadrat als Baukörper mit einem Dreieck als Dach, hier und da wird es mit Fenstern oder Türen versehen. Schon im Kindesalter ist es ein beliebtes Motiv. Ein Baum und etwas Wiese markieren die Landschaft im Außenraum, die Sonne in der Ecke nicht zu vergessen. Erstaunlich erscheint es, mit welchen schnellen und wenigen Strichen etwas entsteht, das so mit Bedeutung beladen ist.

Etymologisch hat das Haus seinen Ursprung im althochdeutschen Begriff hûs, was das Bedeckende oder Umhüllende meint und teilt mit dem Wort Haut sprachgeschichtliche Wurzeln. Das Haus als architektonische Hülle hat jedoch nur eine vermeintlich schützende Funktion. Das Zuhause kann als Schutzort fungieren, als Ort für Rast und Ruhe, kann sich aber auch in einen Angstraum verwandeln, durch physische oder psychische Gewalt oder allein das Geschwätz der Nachbar*innen, das wie ein Wispern durch die Straße klingt.
Wohnen ist menschliches Grundbedürfnis und stellt den Lebensmittelpunkt dar, beeinflusst uns in unserem alltäglichen Handeln, kann für Privatheit, Gesundheit und Wohlbefinden sorgen. Gleichzeitig fungiert es zu Zwecken der Selbstverwirklichung und Repräsentation, von innen wie von außen und spiegelt den sozialen Status der Bewohner*innen wider. Der Hausbau oder -erwerb, der „Traum vom Eigenheim“ stellt heute ein Auslaufmodell dar, zum einen klimaunfreundlich und zum anderen finanziell schwierig zu verwirklichen und damit nur einer kleinen exklusiven Gruppe garantiert. Trotzdem existiert er immer noch: der kollektive Wunsch nach den „eigenen vier Wänden“. Die Ausstellung a resounding tinkle blickt auf das Private als individuellen Kosmos jedes Einzelnen – hinter Wänden Verborgenes, Erinnerungen, Traditionen, (klein-)bürgerliche Stereotype, Klischees.

Samuel Ellinghovens präferierte Medien sind Skulptur und Installation. Für die Ausstellung kreierte er eine Arbeit für das Schaufenster des La Felces, die zwischen Malerei und Relief zu verorten ist. In seiner Praxis setzt er sich immer wieder mit Traditionen, (klein-)bürgerlichen Stereotypen und Klischees auseinander. our home is our castle (2023) bezeichnet Ellinghoven selbst als transformative modern-spießig-kitschige Wandmalerei, die die traditionelle bayrische Lüftlmalerei ins heute übersetzt. Er greift das jedem bekannte englische Sprichwort „My home is my castle“ auf, dass das Zuhause als Schutzort, als uneinnehmbare Burg beschreibt und vermengt es mit weiteren offensichtlichen Kitschmomenten. Die Hände in die Hüfte gestemmt, bewachen zwei Figuren ihr fiktives Zuhause, umsäumt von hohen wehrhaften Zäunen und obligatorischem Haustier. Das symmetrisch angelegte Motiv ist aus Heißkleber und Milchglasfolie gefertigt, die uns mal leicht strukturiert, mal gemustert, den Blick in das Innere des Raumes verwehrt – nur gezielte Durchblicke durch ausgesparte Fragmente sind möglich.

Als ironische Antwort auf die Idee des Eigenheims als wehrhafte Burg fungiert Ellinghovens Arbeit Zuhause ist da, wo nicht nur der Schlüssel passt, sondern auch das Herz sich wohl fühlt (2023): Denn wenn nicht unter der Fußmatte oder dem Blumentopf, ist der Zweitschlüssel unter den Ziersteinen zu finden und Einlass jederzeit gewährt.

Yongkuk Kos Skulpturen greifen die Form von Fenster(-rahmen) auf, geben aber keine Sicht nach Außen frei. Stattdessen fungieren sie als Schaukästen, sind Behälter für Erinnerungen und Sehnsüchte. Die Miniaturen, die er auf dem Flohmarkt oder Ebay findet, sind Objekte mit Geschichte, die er zu etwas Neuem collagiert. Viele der Figuren kommen aus dem häuslichen Bereich – ein Stuhl, eine Bank, eine Vase mit Blumen – wodurch der Eindruck eines eigenen Mikrokosmos unterstützt wird. Auf das puppenhaft Niedliche treffen Elemente, denen eine Bedrohlichkeit mitschwingt oder die den ersten Eindruck verklären, wie Kratzer, Spuren von Feuer auf Holz oder scheinbare Schatten auf Glas. Auch Miniaturen selbst stehen sinnbildlich für diese Ambivalenz, die Yongkuk Kos Werken innewohnt, indem sie Betrachtenden immer den Eindruck von Kontrolle geben, aber gleichzeitig für ein Leben, bestimmt von unbekannten Kräften, stehen.

Brigita Noreikaitės Bleistiftzeichnungen zeugen von ihrem Interesse für das Rätselhafte, Verborgene und Unterbewusste. Sie zeigen uns Räume, in denen sich Realität und Traumwelt vermischen: Ein Pferd in einem Schlafzimmer inmitten zahlreicher fragil geformter Vasen oder eine Frau auf der Suche nach einem Ausweg, während Wasser in beiden Räumen bedrohlich anzusteigen scheint. Das Pferd als magisches Wesen taucht in Märchen, Mythen oder auch surrealistischen Gemälden immer wieder auf. Es steht für Rätselhaftigkeit, für das Ungezähmte und richtet den Blick auf Fragen außerhalb der „sprichwörtlichen Domestizierung des Denkens“. Auch Symbole, die auf Parallelwelten verweisen, begegnen den Betrachtenden und unterstützen den surrealen Eindruck des Geschehens: Eine ewig lange Treppe, die ins Nichts führt oder ein geöffnetes Fenster ohne erkennbaren Ausblick. C.G. Jung beschreibt das Haus „als Verlängerung der Seele“. Die Räume, in denen wir leben sind nie nur durch ihre Form oder ihr Inventar bestimmt, sondern geprägt von individuellen Erlebnissen, Erinnerungen, Ängsten und Traumata ihrer Bewohner*innen. Brigita Noreikaitės Zeichnungen erzählen von diesen Räumen unsere Psyche.

4) Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm 1877, IV 2 , Bd. 10, Sp. 641.
5) Vgl. Hauenstein, Hanno: Göttliche Pferde, maskierte Hyänen und tänzelnde Hunde, in: Schirn Mag, 30.01.2020, URL: www.schirn.de/magazin/kontext/2020/fantastische_frauen/fantastische_frauen_surreale_tiere_mischmisch/ (Zugriff: 23.10.2023).

6)Vgl. C.G. Jung zitiert von Raap, Jürgen: Die Dritte Haut: Häuser, in: Kunstforum Bd. 182 – Die dritte Haut: Häuser I, URL: //www.kunstforum.de/artikel/die-dritte-haut-hauser/ (Zugriff: 24.10.2023).

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Installation view a resounding tinkle, La Felce Cologne 2023, Yongkuk Ko, wanderlust, 2023, wooden strip, wooden plate, found objects, varnish, acryl glass, 40 x 60 cm, courtesy the artist, Photo: Dirk Rose

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Installation view a resounding tinkle, La Felce Cologne 2023, Yongkuk Ko, sunday dawn, 2023, wooden strip, wooden plate, found objects, lamp, artificial snow, 20 x 30 cm (left); wanderlust, 2023, wooden strip, wooden plate, found objects, varnish, acryl glass, 40 x 60 cm (right), courtesy the artist, Photo: Dirk Rose

Brigita Noreikaitė⁣⁣, Yongkuk Ko, Amelie Gappa, Samuel Ellinghoven

Brigita Noreikaitė⁣⁣, Yongkuk Ko, Amelie Gappa, Samuel Ellinghoven

La-Felce-Amelie-Gappa-Yongkuk Ko

Installation view a resounding tinkle, La Felce Cologne 2023, Yongkuk Ko, sunday dawn, 2023, wooden strip, wooden plate, found objects, lamp, artificial snow, 20 x 30 cm, courtesy the artist, Photo: Dirk Rose

La-Felce-Amelie-Gappa

Installation view a resounding tinkle, La Felce Cologne 2023, courtesy the artists, Photo: Dirk Rose

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Nina  Paszkowski

Nina
Paszkowski

who eats who here

Nina Paszkowski
01.09. Vernissage

Eröffnungswochenende/ DC Open
01.09. 18-22 (V)
02.09. 13-19 + 03.09. 13-17
02.09.—02.10.2023 Do+Fr 16-19, 01.10. 12-19 (F)

Kern der Ausstellung sind zwei Liebeswächterinnen. Doch setzen sie sich nicht etwa für die Liebe ein, indem sie helfen, wie Eros oder Amor, die Liebespfeile in die richtige Richtung zu lenken. Nina Paszkowskis Liebeswächterinnen wachen über die Liebe.

Mittels Scherenschnitt sind hier zwei „Love Guardians“ entstanden, die durch filigrane Details und ihre Größe präsent die Atmosphäre füllen. Unterstützt werden sie durch rund 30 unterschiedliche Keramik-Kacheln, die, in allen Himmelsrichtungen angebracht, der Orientierung dienen.

Ausgehend von ihren Untersuchungen der Beziehungen durch Verlangen, gegenseitiger Abhängigkeiten durch Macht und Mangel oder auch vorangegangener Arbeiten, wie ihres Scherenschnitts „Devouress“, münden aktuelle Arbeiten der Ausstellung in eine Form von Vertrauen.

Ein Vertrauen in die Liebe, die es Wert ist, sie zu bewachen.

Info: Nina Paszkowski  DC Open 2023
Curatorial Duo: Aneta Rostkowska & Timo Schmidt

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Exh.Poster: Edi Winarni

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Foto: Mareike Tocha

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Dialog – Love Guardians
Text: Aneta Rostkowska     (eng bottom)

Liebeswächterin 1: Puh! [schlägt mit den Flügeln] Ich kann das nicht mehr!!
Liebeswächterin 2 [fliegt nach unten]: Was? Was ist passiert?
LG1: Sie wollen es einfach nicht tun, weisst du? Ich gebe mein Bestes, aber es funktioniert nicht.
LG2:Was? Du meinst, sie weinen nicht im Beisein ihrer Lieben?
LG1: Du vereinfachst meine Arbeit immer. Es geht nicht ums Weinen, es geht darum, sich verletzlich und zerbrechlich zu zeigen, nicht nur in den herrlichen Momenten, in denen alles gut geht. Es geht darum, bereit zu sein, das Risiko einzugehen, sich einer anderen Person zu öffnen. Sie mögen keine Risiken, meine Liebe.
LG2: Nun, warum bist du überrascht? Schau mal, was in der Welt passiert: Klimakrise, Kriege, Pandemien … wer möchte in Zeiten wie diesen Risiken eingehen? Sie wollen nur Sicherheit, das ist alles. Und wie schafft man maximale Sicherheit? Durch übermäßige Kontrolle, Planung und viele Regeln.
LG1: Ja, Sicherheit, bald werden alle sicher und allein in ihren wunderschön gestalteten und gut geplanten Panikräumen sein … Aber was passiert, wenn Ihre Vorräte aufgebraucht sind? Du brauchst immer andere Menschen. Sogar dein Panikraum hängt von ihnen ab. Sicherheit ohne andere ist eine Illusion. Gerade das Teilen Ihrer Verletzlichkeit verbindet dich mit anderen und schafft Sicherheit. Nur wenn du deine innere Traurigkeit anerkennst, kannst du dich in der Realität des Lebens verankern. Schau dir meinen Anorak an, er besteht aus Tränen. Die Tränen bilden den wunderbarsten Schutzstoff, den es gibt. Dank dieses Kleidungsstücks kann ich stabile Wurzeln entwickeln und mich fest in der Welt verankern.
LG2: Ich finde Tränen sehr sexy. Und du bist so stylisch!

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Foto: Mareike Tocha

LG1: Danke, Liebes. Ich weiß nicht, wie ich sie aus ihren Sicherheitsfallen befreien kann.Wir müssen Zerbrechlichkeit und Weichheit wieder in Mode bringen. Irgendwelche Ideen?
LG2: Noch nicht. Es ist eine Art Paradoxon: Um sicher zu werden, muss man sich eine Zeit lang unsicher fühlen … Man muss die Kontrolle aufgeben und aufhören, so ein Kontrollfreak zu sein.
LG1: Ja, Liebe ist ein Sprung ins Unbekannte.
LG2: Aber damit sind sie nicht allein. Sie haben uns.
LG1: Ja, wir, die Wächterinnen der Liebe.
LG2: Wir sind weich, zerbrechlich und porös, wir bewegen uns in verschiedene Richtungen und strecken ständig unsere Gliedmaßen aus. Wir umarmen. Wir unterstützen. Wir heilen.
LG1: Wir halten zusammen und geben Energie, sich zu öffnen.
LG2:Aber wir sind auch ein bisschen gruselig.
LG1: Klar, das sind wir. Liebe kann dich bis ins Mark erschüttern. Es basiert schließlich auf Unterschieden. Es bringt dich sozusagen aus dem Gleichgewicht und dann wieder ins Gleichgewicht. Ich nenne es das „Liebespendel“. Gleichgewicht – Ungleichgewicht – Gleichgewicht – Ungleichgewicht und so weiter.Wir sind beängstigend, weil die Liebe einem eine Heidenangst einjagt.
LG2: Und dafür gibt es einen tieferen Grund … Eine Herausforderung, die dadurch entsteht, dass die andere Person anders ist als du. Ich bin tatsächlich erstaunt darüber, wie falsch sie hinsichtlich der Rolle der Ähnlichkeit in einer Beziehung sind. Auf einer bewussten Ebene suchen sie nach Menschen, die ihnen ähnlich sind, unbewusst entscheiden sie sich jedoch normalerweise für Menschen, die sich auf einer grundlegenden Ebene von ihnen unterscheiden.
LG1: Ja, Introvertierte sind in Extrovertierte verliebt.
LG2: Minimierer in Maximierern. Oder: Schildkröten in Hagelkörnern.
LG1: Katzenliebhaber in Hundeliebhabern.
LG2: Diejenigen, die gerne tanzen, in denen, die nicht tanzen.
LG1: Ha ha, das ist fast tragisch. Besonders wenn Katzen und Hunde zusammen in einem Haushalt leben, werden sie leiden! Ich bin so froh, dass wir beide das Tanzen lieben [lächelt].

LG2: Ich freue mich, dass du jetzt besser gelaunt bist [lächelt zurück]. Aber im Ernst, ich denke, diese Unterschiede haben eine tiefere Bedeutung. Die andere Person hat etwas, von dem sie sich unbewusst wünscht, dass sie es hätte, zum Beispiel etwas, das sie als Kind verdrängen musste, einige Charaktereigenschaften,Verhaltensweisen, Reaktionen. Introvertierte bewundern, wie leicht Extrovertierte mit anderen Menschen in Kontakt kommen. Und Extrovertierte bewundern insgeheim die Unabhängigkeit von Introvertierten, dass sie sich alleine so wohl fühlen können.

LG1: Es ist wie im berühmten Mythos von Platon: Es waren einmal Menschen, die eine runde Gestalt hatten, vier Beine und vier Arme. Sie reisten um die Welt und waren so glücklich mit sich selbst, dass sie anhielten, um den Göttern Respekt zu zollen. Das erzürnte die Götter und sie schnitten jedes Stück in zwei Hälften. Und jetzt fehlt ihnen allen etwas.

LG2: Ich mag diesen Mythos, abgesehen von der Schlussfolgerung, dass es dir auf der ganzen Erde nur EINE Hälfte fehlt. (Und was wäre, wenn diese andere Hälfte in ein anderes Jahrhundert geworfen würde und du sie nie treffen würdest?? OK, ich scherze.) Ich denke, hier gibt es tatsächlich viele Möglichkeiten und auch das, was wir unbewusst von anderen Menschen brauchen, ändert sich je nach Lebensabschnitt.

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LG1: Ja. Und es ist auch ein sehr statisches Bild in diesem Mythos: Sobald sie ihr fehlendes Teil gefunden haben, sind sie wieder ganz und das war’s. Wir wissen beide, dass Liebe nichts Statisches ist, sondern eine Anstrengung. Es hat seine Dynamik. Schaue sich uns an: Wir sind in ständiger Bewegung, wir schweben umher, dehnen uns in und uns, pulsieren und vibrieren. Das ist Liebe. Ich würde hier zwischen Verlieben und der Liebe selbst unterscheiden. Das erste passiert am Anfang: Wenn man jemanden trifft und eine Art Ganzheit mit dieser Person spürt, man fühlt sich nun vollständig. Es ist wie eine Rückkehr in den Mutterleib. Alles ist perfekt, es gibt keine Zeit, wie im sicheren Raum deiner Mutter. Später stellt man jedoch fest, dass das Ganze ein Versprechen und keine Tatsache war. Du dachtest, du hast es geschafft, aber in Wirklichkeit müsst du darauf hinarbeiten. Dieser verlorene Teil von dir selbst, zum Beispiel das was du in deiner Kindheit unterdrücken musstest, diese andere Person hat das, aber es reicht nicht aus, nur mit dieser Person zusammen zu sein. Es wird dich nur ärgern und wütend machen, weil du nicht so bist, du bist NOCH nicht so. Um in der Beziehung zu bleiben, muss man so werden wie die andere Person, und das ist harte Arbeit. Natürlich wirst du nie ganz wie ein anderer Mensch werden, normalerweise nur ein bisschen. Es wird also immer Spannungen geben.
LG2: Ja, es ist ein schmerzhafter, stacheliger Prozess. Du wirst herausgefordert. Du wirst verwundet sein. Beide Seiten werden viel abbekommen und brauchen einen Raum, um alles zu verarbeiten. Schau dir meine Kieselsteine an. Sie sind ständig im Umlauf, jede Person öffnet und nimmt sich gegenseitig etwas ab und braucht dann ihren eigenen Raum, um darüber nachzudenken, was sie behalten und was sie loswerden soll. Es ist ein komplizierter Vorgang, wie das Schnurspiel aus der Kindheit, die Wiege der Katze, kennst du das? Es ist eines meiner Lieblingsdinge, ich habe das Gefühl, dass es die Essenz meiner Arbeit ausmacht.
LG1: Ja, natürlich. Ich liebe die verschiedenen Figuren, die in diesem Spiel entstehen.
LG2: Und man kann es nicht alleine spielen! Man muss sich anstrengen und es entsteht eine gewisse Dynamik, wie in der Liebe. Manchmal hat man Erfolg, manchmal scheitert man. Auf dem Weg dorthin gibt es viele Konflikte und mit der Zeit wird man besser darin, sie zu schaffen oder zu vermeiden. Sie sind notwendig und gut. Sie sorgen für Dynamik und Wachstumschancen. Du kämpfst, du weinst, du versöhnst dich hinterher. Und nach all dem hast du besseren Sex.

LG1: [fühlt sich ein wenig unwohl] Vielleicht wird die Liebe nach vielen Jahren statisch? Vielleicht werden sich die Menschen so ähnlich, dass es keinen Konflikt, keine Bewegung gibt?
LG2: Ja. Aber dann brauchen sie uns nicht mehr. Sie sind für immer im Gleichgewicht.
LG1: Mir gefällt, wie wir dadurch an die Liebe alter Menschen oder eine alte Liebesbeziehung denken, zum Beispiel daran, seit 30 Jahren zusammen zu sein. Die beiden sind dann durch die Beziehung so stark verbunden, dass sie ihre Identität ausmacht. Ohne einander können sie nicht existieren …
LG2: Und wenn einer stirbt, stirbt der andere bald darauf. Das passiert ziemlich oft.
LG1: Das bringt mich ein bisschen zum Weinen, sorry [schluchzt].
LG2: Kein Problem, Liebling. Mir gefällt die Art, wie du dich mir öffnest. Es berührt mich.

LG1: [fühlt sich unwohl und wechselt das Thema] Weißt du, ich mag es wirklich, dass Liebe etwas Drittes ist, etwas, das unabhängig von den beiden beteiligten Personen existiert. Es ist eine echte Sache.
LG2: Ja, es geht darum anzuerkennen, dass Liebesbeziehungen so real sind wie die Menschen selbst, anstatt zu behaupten, dass nur einzelne Menschen existieren.Wenn die Menschen wirklich darüber nachdenken würden, würde sich ihnen ein völlig neues Universum offenbaren. Alle Beziehungen zu anderen Menschen,Tieren, Pflanzen usw. sind eigentlich eigenständige Wesen. Sie sollten mit dem egoistischen Denken aufhören, dass nur sie existieren, und damit aufhören, die Realität von Beziehungen zu leugnen.

LG1: Viele Dinge, um die man sich kümmern muss.
LG2 [schlägt mit den Flügeln und lässt ein paar kleine Kieselsteine frei]:Aber wir sind hier.
LG1: Ja [vergießt eine Träne].
LG2: In gewisser Weise ist Liebe wie Alchemie: eine Transmutation, bei der man sich wieder mit einem Teil seines ursprünglichen Selbst vereint und sich mit dem verbindet, was man im Prozess der Auseinandersetzung mit der Welt verloren hat. Man reift zu etwas Kostbarem heran: Am Ende des Prozesses steht Gold (lächelt). Eine Belohnung. Kupfer wird zu Gold, zum Dritten – eine kostbare Beziehung. Es findet eine Heilung statt.
LG1: Jetzt hast du mich daran erinnert, dass ich mehr Jod für meinen Rücken brauche. Ja, und es ist schwer, dorthin zu gelangen. Hast du übrigens gehört, dass die Devouress [Verschlingerin] in der Stadt ist?
LG1 [bewegt ihre Gliedmaßen]: Oh nein…
LG2: Ja. Das bedeutet für uns viel mehr Arbeit, sei vorbereitet.
LG1: Ich habe solche Angst vor ihr! Erinnerst du dich, was diesem Paar vor fünf Jahren passiert ist? Sie waren am Anfang so sehr ineinander verliebt, ich war so hoffnungsvoll, und dann hat sich alles so entwickelt, dass eine Person eine andere ausnutzt.
LG2: Ja, den anderen einfach nur für sich nutzen, Aufmerksamkeit ausnutzen, nehmen und nichts zurückgeben wollen … eine endlose Abfolge manipulativen Verhaltens.
LG1: Die Verschlingerin war so stolz auf sich! Diese ganze Situation war wie ein Kunstwerk von ihr! Es ging ihr gut… Eine Seite verbrauchte die andere buchstäblich, als wäre es eine Ressource, eine Ware… was für eine Katastrophe! LG2: Ich bin so froh, dass die, die wir jetzt betreuen, weit davon entfernt sind. Hier frisst niemand jemanden!
LG1 [lacht]: Ja, Kannibalismus ist nicht erlaubt!
LG2: Du bist so süß, darf ich deine Pfote halten?
LG1: Hmm, ich weiß es nicht.Vielleicht später. Eigentlich nenne ich sie „Hände“, nicht „Pfoten“.
LG2: Oh, tut mir leid … die Form hat mich in die Irre geführt.
LG1: Es ist in Ordnung.Weißt du, ich finde es lustig, dass die Leute denken, wir seien eine Art alte Göttinnen.
LG2: Oder mysteriöse Charaktere aus einem surrealistischen Traum.
LG1: Sie wären überrascht, wie viele wir sind und dass wir tatsächlich IN ihnen sind…
LG2: Ja, wir sind viele und wir sind wirklich IN.
LG1: Vielleicht sind wir sogar SIE=MENSCHEN?
LG2: Teilweise ja, denke ich. Ich bin nicht sehr gut in meiner eigenen Ontologie [lacht].
LG1: Wie auch immer, es braucht viele Liebeswächterinnen, um eine Beziehung zu führen. All diese Gespräche, das Analysieren desVerhaltens der Partner, das Tratschen, das Festlegen vonTerminen für andere Menschen … Liebe ist eine gemeinschaftliche Sache – es ist schwer, eine Beziehung ohne das Unterstützungssystem von anderen Leuten zu leben..
LG2: Liebeswächterinnen sind überall, schauen Sie sich nur um [lächelt].
LG1: Ja, aber es ist harte Arbeit und viel Verantwortung.Vor allem polyamoröse Beziehungen.. super kompliziert und es müssen viele Liebeswächter beteiligt sein… Ich habe gehört, dass unser jährliches Treffen der Liebeswächterinnen diesem Thema gewidmet sein wird.
LG2: Ja, ich freue mich wirklich darauf … Hmm, ich habe das Gefühl, dass dein Anorak etwas Erfrischung braucht. Wie wäre es mit einem Ausflug ins Spa? Wir könnten schwitzen und schwimmen… und vielleicht eine Massage bekommen?
LG2: Ja, lasst uns ein bisschen abschalten … gemeinsam …
[beide fliegen vom Ausstellungsraum La Felce weg in Richtung NeptunBad]

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Foto: Mareike Tocha

(ENG)

Love Guardian 1: Puh! [flaps her wings] I can‘t do this anymore!!

Love Guardian 2 [flies down]: What? What happened?

LG1: They just don’t want to do it, you know? I’m doing my best but it’s not working..

LG2: What? You mean, they are not crying in presence of their loved ones?

LG1: You always simplify my work. It is not about crying, it is about showing yourself as vulnerable, as fragile, not only in the glorious moments when everything goes well. It is about willing to take the risk of opening up to another person. They do not like risks, my dear.

LG2: Well, why are you surprised? Look what is going on in the world: climate crisis, wars, pandemics.. who wants to take risks in times like these? They just want security, that’s all. And how do you create maximum security? Through excessive control, planning and lots of rules.

LG1: Yeah, safety, soon everyone will be safe and alone in their beautifully designed and well planned panic rooms… But what happens when your supplies run out? You always need other people. Even your panic room depends on them. Safety without others is an illusion. It is precisely the sharing your vulnerability that connects you to others and creates safety. It is only by acknowledging your inner sadness that you can ground yourself in the reality of life. Look at my anorak, it is made of tears. The tears form the most wonderful protective cloth possible. Thanks to this garment I can develop stable roots and ground myself firmly in the world.

LG2: I think tears are very sexy. And you are so stylish!

LG1: Thank you, dear. I don’t know how to get them out of their security traps. We need to make fragility and softness fashionable again. Any ideas?

LG2: Not yet.. It is a kind of paradox: to become safe, you have to feel unsafe for a while…You have to give up on control and stop being such a control freak.

LG1: Yes, love is a leap into the unknown.

LG2: But they are not alone in this. They have us.

LG1: Yes, us, the guardians of love.

LG2: We are soft, fragile and porous, we move in different directions constantly reaching out with our limbs. We embrace. We support. We heal.

LG1: We hold together and give energy to open up.

LG2: But we are also a bit scary too.

LG1: Sure, we are. Love can shake you up to your core. It is based on difference after all. It unbalances you and then balances you back again, so to speak. I call it the ‘love pendulum’. Balance – imbalance – balance – imbalance and so on. We are scary because love scares the shit out of you.

LG2: And there is a deeper reason for that… A challenge posed by the fact that the other person is different from you. I’m actually amazed at how misguided they are about the role of similarity in a relationship. On a conscious level, they look for people who are similar to them, but unconsciously, they usually choose people who are different from them on some fundamental level.

LG1: Yeah, introverts are in love with extroverts.

LG2: Minimisers with maximisers. Or: turtles with hailstones.

LG1: Cat lovers with dog lovers.

LG2: Those who like to dance with those who do not dance.

LG1: Ha ha, this is almost tragic. Especially with cats and dogs together in one household, they will suffer! I’m so happy that we both love dancing [smiles].

LG2: I’m glad you’re in a better mood now [smiles back]. But seriously, I think these differences have a deeper meaning. The other person has something that you unconsciously wish you had, for example something that you had to repress when you were growing up, some character traits, types of behaviours, reactions.. Introverts admire how easily extroverts come into contact with other people. And extroverts secretly admire the independence of introverts, that they can be so comfortable on their own.

LG1: It is like in the famous myth of Plato: once upon a time people had a round shape, four legs and four arms. They rolled around the world and were so happy with themselves that they stopped to respect the gods. This made the gods angry so they cut each of them in half. And now they are all missing something..

LG2: I like this myth apart from the conclusion that there is only ONE missing half on the whole Earth. (And what if that other half was thrown into another century and you will never meet them?? OK, I’m joking.). I think there are actually many possibilities here and also what we unconsciously need from other people changes, depending on the stage of life.

LG1: Yes. And it is also a very static image in that myth: once they find their missing piece, they are whole again and that’s it. We both know that love is not static, it is an effort. It has its dynamics. Look at us: we are in a constant movement, floating around, stretching in and stretching out, pulsating and vibrating. That’s love. I would make a distinction here between falling in love and love itself. The first one happens at the beginning, it is when you meet someone and you feel a kind of wholeness with that person, that you are now complete. It is like returning to your mother’s womb. Everything is perfect, there is no time, like in the safe space inside your mother. Later however you discover that the whole was a promise, not a fact. You thought you had it but in fact you have to work towards it. This lost part of yourself, repressed in the childhood for example, this other person has it, but just being with that person is not enough. It will only annoy you, make you angry because you are not like that, you are not like that YET. To stay in the relationship you have to become like them and that is hard work. Of course you will never become completely like another person, usually just a little bit.. so there will always be tension..

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LG2: Yes, it is a painful, thorny process. You will be challenged. You will be wounded. Both sides are going to receive a lot and will need a space to digest it all. Look at my pebbles. They are circulating all the time, each person opening and taking one from the other and then needing their own space to reflect on what to keep and what to get rid of. It is a complicated process, like that string game from the childhood, the cat’s cradle, do you know it? It is one of my favourite things, I feel like it defines the essence of my work.

LG1: Yes, of course. I love the different figures created during this game.

LG2: And you can’t play it alone! You have to make an effort and there is a certain dynamic, like in love. Sometimes you succeed, sometimes you fail. There are many conflicts along way and gradually you get better at creating them or avoiding them. They are necessary and good. They provide the dynamic and the opportunity for growth. You fight, you cry, you make up afterwards. And you have better sex after all that.

LG1: [feels a little uncomfortable] Maybe after many years love becomes static? Maybe people become so similar that there is no conflict, no movement?

LG2: Yes. But then they don’t need us anymore. They are in balance forever.

LG1: I like how this makes us think about old people’s love or an old love relationship, for example being together for 30 years. The two of them are then so strongly connected by the relationship that it constitutes their identities.. They cannot exist without each other…

LG2: And when one dies, the other dies soon after. That happens quite often.

LG1: That makes me cry a little bit, sorry [sobs].

LG2: No problem, darling. I like the way you open up to me. It touches me.

LG1: [feels uncomfortable and changes the subject] You know, I really like that love is something third, something that exists independently of the two subjects involved. It is a real thing.

LG2: Yes, it is about acknowledging that love relationships are as real as people are themselves instead of claiming that only individual people exist. If people really thought about this, a whole new universe would revealed itself to them. All relationships with other people, animals, plants etc. are actually independent beings. They should stop this egoistic thinking that only they exist, stop denying the reality of relationships.

LG1: A lot of things to take care of.

LG2 [flaps her wings releasing some small pebbles]: But we are here.

LG1: Yes [shedding a tear].

LG2: In a way love is like alchemy: a transmutation where you reunite with part of your original self, connect with what you have lost in the process of engaging with the world. You mature into something precious: there is gold to be found at the end of the process [smiles].. A reward.. Copper turns into gold, into the third – a precious relationship. A healing takes place.

LG1: Now you have reminded me that I need to get more iodine for my back. Yes, and it is hard to get there. By the way, have you heard that the Devouress is in town?

LG1 [moves her limbs around]: Oh noooo…

LG2: Yes. That means a lot more work for us, be prepared.

LG1: I’m so scared of her! Remember what happened to that couple five years ago? They were so much into each other at the beginning, I was so hopeful, and then everything turned into one person taking advantage of another one.

LG2: Yes, just using the other one for their own purposes, exploiting attention, taking and not wanting to give anything back… an endless sequence of manipulative behaviour..

LG1: The Devouress was so proud of herself! This whole situation was like a work of art by her! She was thriving… One side literally consuming the other as if it were a resource, a commodity… such a disaster!

LG2: I’m so happy that the ones we’re looking after now are far away from that.. Nobody eats anybody here!

LG1 [laughing]: Yeah, no cannibalism allowed!

LG2: You are so cute, can I hold your paw?

LG1: Hmm, I don’t know. Maybe later. I actually call them ‘hands’, not ‘paws’.

LG2: Oh sorry… I was led astray by the form.

LG1: It’s OK. You know, I find it funny that people think that we are some kind of ancient goddesses..

LG2: Or mysterious characters from a surrealist dream..

LG1: They would be surprised by the fact how common we are.. and that we are actually IN them..

LG2: Yes, there are many of us and we are really IN..

LG1: Maybe we are even THEM=PEOPLE?

LG2: Partly yes, I think.. I’m not very good at my own ontology [laughs].

LG1: Anyway, many love guardians are needed to hold one relationship.. All those conversations, analysing behaviours of the partners, gossiping, setting dates for other people… Love is a communal thing – it is hard to live your relationship without the support system of other people..

LG2: Love guardians are everywhere, just look around [smiles].

LG1: Yes, but it is hard work, a lot of responsibility. Especially polyamorous relationships.. super complicated and many love guardians have to be involved… I heard that our annual gathering of love guardians will be dedicated to this.

LG2: Yeah, I’m really looking forward to it… Hmm, I have a feeling your anorak needs some refreshing. How about a trip to the spa? We could sweat and swim.. and maybe get a massage?

LG2: Yes, let’s spirit away for a bit… together…

[they both fly away from the exhibition space of La Felce towards Neptun Bad].

Text: Aneta Rostkowska

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Foto: Mareike Tocha

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Devouress (2022) Exh. View: Galeria HOS, Warsaw

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