Galerieeröffnung
La Felce Galerie
Maria-Hilf-Straße 15-17
50677 Köln
9. Mai 2026, 18 Uhr
Eröffnungsausstellung mit Ramon Quenders.
Zu Besuch ist Andreas Schulze.
Einen Text zur Ausstellung hat Kurt Cassady geschrieben.
Herzliche Einladung
Cafe Wahlen – Kurt Cassady
Wir wurden dann auch ins Café Wahlen eingeladen. Nicht zum Kuchenessen, aber vielleicht
um darüber zu schreiben. Davor hatte Timo schon den Ramon Quenders eingeladen, eine
Ausstellung zu machen, und der hat wiederum seinen ehemaligen Professor Andreas Schulze
eingeladen, oder vielleicht war das auch Timo. So oder so kommt Schulze dann in Gestalt
eines Bildes zu Besuch.
Uns erreichte eine schöne Einladungskarte in Form eines kleinen Briefings. So was braucht
man ja, damit man sich da mal reindenken kann und weiß, worüber man schreiben soll. In
dem waren selbstverständlich Bilder von den Malereien, weniger selbstverständlich gab es
auch noch Fotos aus dem Café Heinemann in Düsseldorf. Das ist wohl das Pendant zum
Kölner Café Wahlen. Dort hatten sich Timo und Ramon öfter getroffen und über Sü.speisen,
Kaffee und Eiersalat mit Schinken die Ausstellung geplant oder einfach so über was anderes
aus ihrem Leben geredet. Man könnte sich natürlich fragen, warum dann jetzt überhaupt das
Café Heinemann auftaucht, wo wir doch in Köln sind und das Wahlen hier so ne große Rolle
spielt. Das wiederum liegt an einer Anekdote, die wir nochmal erzählen wollen, weil es
eigentlich die schönste Art ist, über diese Ausstellung zu sprechen.
Man erzählt sich also, dass Andreas gerne Klopse oder vielleicht Möhreneintopf oder
Schnitzel Wiener Art oder so was bei der Konditorei Heinemann aß. Auf dem Weg nach
draußen kaufte er dann noch Kuchen und Plätzchen, vielleicht die Kirschtorte mit der
Marzipan-Oblate darauf, wo die Kirschen aussehen wie ein Fahrrad, und brachte sie seinen
hungrigen Studierenden zum Kolloquium mit. Einfach so, ohne Anlass, keiner hat
Geburtstag. Und auch an unsere Ohren gelangt diese Erinnerung von Ramon noch vor jeder
Werkbeschreibung.
Das, könnte man sagen, ist eine Geste par excellence. Denn man muss unterscheiden
zwischen Gesten, deren Selbstzweck die Geste ist, und jenen anderen, denen wir unterstellen,
einem Folgezweck zu dienen. Dazu zählen wir unter anderem alle Gesten, die einer Regel
folgen, Regeln der Höflichkeit, des Knigges. Die Geste, so wie wir sie begreifen, benötigt
zum einen eine Form von Zwecklosigkeit. Ich bringe keine Blumen mit, weil ich etwas
erreichen will, sondern ich bringe Blumen um des Blumenschenkens willen mit. Zum
anderen bedarf sie einer mangelnden Erwartungshaltung des Gegenübers. Wenn mich mein
Kollege auf dem Flur freundlich grü.t, ist das noch keine Geste, sondern lediglich eine
Handlung, die der standardisierten Form unserer gesellschaftlich vereinbarten Höflichkeit
entspricht. Die Geste bedarf des Umweges des Handelnden. Auch das erfreut uns an ihr: Sie
muss nicht sein und doch ist sie da. Die Geste offenbart die innere Haltung des Handelnden
seiner Umwelt gegenüber. Denn wenn jemand einen großen Beutel Leckereien aus seiner
Lieblingskonditorei mit zum Kolloquium bringt, wenn einen jemand einlädt, wenn einem
jemand etwas ausleiht, ohne etwas dafür haben zu wollen, dann sagt das doch: So, so hätte
ich die Welt gerne. Ich hätte gerne, dass wir gemeinsam Kuchen essen und uns Dinge teilen
und ja, liebevoll miteinander sind.
Am Anfang haben wir uns noch gefragt, ob das jetzt für einen Ausstellungstext vielleicht
doch zu viel um diverse Backwaren geht, aber die konditorische Geste drückt so viel
poetischer als jede andere Allegorie aus, welches Miteinander man sich hier wünscht.











































