Fabio Perino

Please, Follow
curated by Mara Sporn

Opening: Nov 06. 2026, 6 – 9 PM
Duration: Nov 07 2026 – Jan 10 2027

La Felce Galerie, Maria-Hilf-Straße 15-17, 50677 Köln

 

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Graphic Design: George Popov

Please, follow

A polite request. An invitation. An instruction. Two simple words, almost innocent. And yet they conceal an entire choreography of power: the art of leading, guiding, persuading—and persuading someone to follow a path that seems to have been mapped out long ago.

Follow us. Follow me. Follow the path.

But who has determined this path? And when does an invitation become a command, a decision become obedience?

Society needs the executioner, yet wants nothing to do with him. A traditional anecdote tells that the bakers of the Italian city of Turin would not hand him his bread directly. They placed it upside down on the counter—as a sign of their contempt and to avoid direct contact. A loaf of bread. A small gesture. An invisible boundary. This everyday act encapsulates a social contradiction: the violence that a community needs to maintain its order must at the same time remain excluded from its own self-image.

Power is not manifested here solely in institutions and offices. It is inscribed in gestures, habits, and interpersonal relationships. It regulates closeness and distance, determines belonging and exclusion, and dictates who is allowed to act and who must submit.

The whip draws a different boundary. It marks what is permitted and what is not. It threatens, disciplines, and punishes. Its language requires no words. But power doesn’t always need violence to be effective. Sometimes it offers a carrot.

A carrot. A reward. Recognition. Security. A sense of belonging.

The carrot and the stick: two sides of the same mechanism. One threatens; the other promises. One drives us through fear; the other through desire. Both steer behavior by opening up or limiting possibilities and making certain decisions seem more attractive than others.

And the promise doesn’t even have to be spoken aloud. It can be conveyed as a feeling: the feeling of being safe, of being seen, of belonging. The hope of moving toward something we desire. Perhaps this is precisely where the most elusive form of control lies: when it no longer appears as an external coercion, but gradually takes on the form of our own desires and beliefs.

In Please, Follow, Fabio Perino artistically explores the recurring mechanisms of the exercise of power and manipulation that run through social orders, political systems, and interpersonal relationships. The artist, who lives and works in Milan, has created new works for the exhibition that relate historical forms of violence to more subtle strategies of influence. From the figure of the Boia, the executioner, to the principle of the carrot and the stick, a temporal and conceptual arc spans the spectrum, revealing the enduring nature of these mechanisms—while simultaneously questioning how they change, disguise themselves, and become embedded in our everyday lives.

Perino’s works open up a space between immediacy and ambiguity, between the visible and the elusive. With a visual language that combines poetic and ironic elements, he focuses on the contradictions through which power exerts its influence: on the relationship between coercion and seduction, between dependence and self-determination, between external authority and internal consent. What seems self-evident is thereby called into question. Gestures, objects, and familiar symbols can lose their innocence and become legible as carriers of social rules, expectations, and behavioral patterns.

Please, Follow navigates this tension. The title sounds polite, almost too accommodating. It leaves open whether someone is accepting an invitation, obeying an instruction, or voluntarily entrusting themselves to a predetermined path. It is precisely this openness that makes it the starting point for a fundamental question: How free is a decision if the conditions under which it is made have already been shaped by others?

Who leads? Who follows? And when does following begin?

Perhaps not where we expect it to. Perhaps it begins with something small: a gesture, an invitation, a promise. With a path that seems easier to take than to question. The story of the Boia reveals power through violence. The carrot and the stick lay bare their supposedly gentler mechanism: punishment and reward. In between lies uncertain terrain where influence and personal decision-making can hardly be distinguished from one another.

It is the moment when a request becomes a decision. The moment when a decision becomes obedience. The moment when we can no longer clearly distinguish whether we are being led—or whether we have chosen of our own free will to follow.

Perhaps following is the most common form of obedience. Perhaps the most effective command is the one that doesn’t sound like a command, but like an invitation.

              (Text: Mara Sporn)

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Graphic Design: George Popov

Please, follow

Eine höfliche Bitte. Eine Einladung. Eine Anweisung. Zwei einfache Worte, beinahe unschuldig. Und doch verbirgt sich in ihnen eine ganze Choreografie der Macht: die Kunst, zu führen, zu lenken, zu überzeugen – und jemanden dazu zu bewegen, einer Richtung zu folgen, die längst vorgezeichnet scheint.

Folgt uns. Folgt mir. Folge dem Weg.

Doch wer hat diesen Weg bestimmt? Und wann wird aus einer Einladung eine Aufforderung, aus einer Entscheidung Gehorsam?

Die Gesellschaft braucht den Henker, will aber nichts mit ihm zu tun haben. Eine überlieferte Anekdote erzählt, dass die Bäcker der italienischen Stadt Turin ihm sein Brot nicht direkt überreichten. Sie legten es verkehrt herum auf die Theke – als Zeichen ihrer Verachtung und um den unmittelbaren Kontakt zu vermeiden. Ein Brotlaib. Eine kleine Geste. Eine unsichtbare Grenze. In dieser alltäglichen Handlung verdichtet sich ein gesellschaftlicher Widerspruch: Die Gewalt, die eine Gemeinschaft zur Aufrechterhaltung ihrer Ordnung benötigt, soll zugleich aus ihrem eigenen Selbstbild ausgeschlossen bleiben.

Macht zeigt sich hier nicht allein in Institutionen und Ämtern. Sie schreibt sich in Gesten, Gewohnheiten und zwischenmenschliche Beziehungen ein. Sie ordnet Nähe und Distanz, bestimmt Zugehörigkeit und Ausgrenzung und legt fest, wer handeln darf und wer sich zu fügen hat.

Die Peitsche zieht eine andere Grenze. Sie markiert, was erlaubt ist und was nicht. Sie droht, diszipliniert und bestraft. Ihre Sprache kommt ohne Worte aus. Doch Macht braucht nicht immer Gewalt, um wirksam zu werden. Manchmal bietet sie eine Karotte an.

Eine Karotte. Eine Belohnung. Anerkennung. Sicherheit. Zugehörigkeit.

Zuckerbrot und Peitsche: zwei Seiten desselben Mechanismus. Das eine droht, das andere verspricht. Das eine treibt durch Angst an, das andere durch Verlangen. Beide lenken das Verhalten, indem sie Möglichkeiten eröffnen oder begrenzen und bestimmte Entscheidungen attraktiver erscheinen lassen als andere.

Dabei muss das Versprechen nicht einmal ausgesprochen werden. Es kann sich als Gefühl vermitteln: das Gefühl, sicher zu sein, gesehen zu werden, dazuzugehören. Die Hoffnung, auf etwas zuzugehen, das wir uns wünschen. Vielleicht liegt gerade darin die schwer erkennbare Form der Kontrolle: wenn sie nicht mehr wie ein äußerer Zwang erscheint, sondern allmählich die Gestalt unserer eigenen Wünsche und Überzeugungen annimmt.

Mit Please, Follow spielt Fabio Perino die wiederkehrenden Mechanismen von Machtausübung und Manipulation, die sich durch gesellschaftliche Ordnungen, politische Systeme und zwischenmenschliche Beziehungen ziehen künstlerisch durch. Der in Mailand lebende und arbeitende Künstler hat für die Ausstellung neue Arbeiten geschaffen, die historische Formen der Gewalt mit subtileren Strategien der Einflussnahme in Beziehung setzen. Von der Figur des Boia, des Henkers, bis zum Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche spannt sich ein zeitlicher und gedanklicher Bogen, der die Beständigkeit dieser Mechanismen sichtbar macht – und zugleich danach fragt, wie sie sich verändern, tarnen und in unseren Alltag einschreiben.

Perinos Arbeiten eröffnen dabei einen Raum zwischen Unmittelbarkeit und Mehrdeutigkeit, zwischen dem Sichtbaren und dem nur schwer Greifbaren. Mit einer Bildsprache, die poetische und ironische Momente verbindet, richtet er den Blick auf die Widersprüche, in denen Macht ihre Wirkung entfaltet: auf das Verhältnis von Zwang und Verführung, von Abhängigkeit und Selbstbestimmung, von äußerer Autorität und innerer Zustimmung. Das scheinbar Selbstverständliche wird dabei fragwürdig. Gesten, Gegenstände und vertraute Zeichen können ihre Unschuld verlieren und als Träger gesellschaftlicher Regeln, Erwartungen und Verhaltensmuster lesbar werden.

Please, Follow bewegt sich in diesem Spannungsfeld. Der Titel klingt höflich, beinahe zuvorkommend. Er lässt offen, ob jemand einer Einladung folgt, einer Anweisung gehorcht oder sich freiwillig einer vorgegebenen Richtung anvertraut. Gerade diese Offenheit macht ihn zum Ausgangspunkt einer grundlegenden Frage: Wie frei ist eine Entscheidung, wenn die Bedingungen, unter denen sie getroffen wird, bereits von anderen gestaltet wurden?

Wer führt? Wer folgt? Und wann beginnt das Folgen?

Vielleicht nicht dort, wo wir es erwarten. Vielleicht beginnt es mit etwas Kleinem: einer Geste, einer Einladung, einem Versprechen. Mit einem Weg, den einzuschlagen einfacher erscheint, als ihn zu hinterfragen. Die Geschichte des Boia macht Macht durch Gewalt sichtbar. Zuckerbrot und Peitsche legen ihren vermeintlich sanfteren Mechanismus offen: Bestrafung und Belohnung. Dazwischen liegt ein ungewisses Terrain, auf dem sich Einflussnahme und eigene Entscheidung kaum noch voneinander trennen lassen.

Es ist der Moment, in dem eine Bitte zur Entscheidung wird. Der Moment, in dem eine Entscheidung zum Gehorsam wird. Der Moment, in dem wir nicht mehr eindeutig unterscheiden können, ob wir geführt werden – oder ob wir uns aus freien Stücken entschieden haben zu folgen.

Vielleicht ist Folgen die alltäglichste Form des Gehorsams. Vielleicht ist der wirksamste Befehl jener, der nicht wie ein Befehl klingt, sondern wie eine Einladung.

(Text: Mara Sporn)

Graphic Design: George Popov

More information about the artist: Fabio Perino 

lafelce.de