Galerieeröffnung 

La Felce Galerie
Maria-Hilf-Straße 15-17
50677 Köln

9. Mai 2026, 18 Uhr
Eröffnungsausstellung mit Ramon Quenders.
10.05.-21.06.2026
Mi+Do 17-20 | Fr+Sa 11-17
Zu Besuch ist Andreas Schulze.
Einen Text zur Ausstellung hat Kurt Cassady geschrieben.
available works PDF via mail@lafelce.de

Mi 03.06. 19 Uhr Artist Talk

Anknüpfend an das Interview im Exhibition Booklet über Mäuse, sprechen wir über weitere Mäuse in Zeichnungen, auf Leinwänden, die Heinemann-Maus der Konditorei Heinemann in Düsseldorf als Schlüsselanhänger, die Entstehung der Ausstellung, sowie über das Miteinander, kleine Gesten und Leichtigkeit. Herzliche Einladung

Ramon-Quenders-Kurt-Cassady-Andreas-Schulze-Timo-Schmidt
Cafe Wahlen              – Kurt Cassady

Wir wurden dann auch ins Café Wahlen eingeladen. Nicht zum Kuchenessen, aber vielleicht um darüber zu schreiben. Davor hatte Timo schon den Ramon Quenders eingeladen, eine Ausstellung zu machen, und der hat wiederum seinen ehemaligen Professor Andreas Schulze eingeladen, oder vielleicht war das auch Timo. So oder so kommt Schulze dann in Gestalt eines Bildes zu Besuch. Uns erreichte eine schöne Einladungskarte in Form eines kleinen Briefings. So was braucht man ja, damit man sich da mal reindenken kann und weiß, worüber man schreiben soll. In dem waren selbstverständlich Bilder von den Malereien, weniger selbstverständlich gab es auch noch Fotos aus dem Café Heinemann in Düsseldorf. Das ist wohl das Pendant zum Kölner Café Wahlen. Dort hatten sich Timo und Ramon öfter getroffen und über Süsspeisen, Kaffee und Eiersalat mit Schinken die Ausstellung geplant oder einfach so über was anderes aus ihrem Leben geredet. Man könnte sich natürlich fragen, warum dann jetzt überhaupt das Café Heinemann auftaucht, wo wir doch in Köln sind und das Wahlen hier so ne große Rolle spielt. Das wiederum liegt an einer Anekdote, die wir nochmal erzählen wollen, weil es eigentlich die schönste Art ist, über diese Ausstellung zu sprechen. Man erzählt sich also, dass Andreas gerne Klopse oder vielleicht Möhreneintopf oder Schnitzel Wiener Art oder so was bei der Konditorei Heinemann aß. Auf dem Weg nach draußen kaufte er dann noch Kuchen und Plätzchen, vielleicht die Kirschtorte mit der Marzipan-Oblate darauf, wo die Kirschen aussehen wie ein Fahrrad, und brachte sie seinen hungrigen Studierenden zum Kolloquium mit. Einfach so, ohne Anlass, keiner hat Geburtstag. Und auch an unsere Ohren gelangt diese Erinnerung von Ramon noch vor jeder Werkbeschreibung.

Das, könnte man sagen, ist eine Geste par excellence. Denn man muss unterscheiden zwischen Gesten, deren Selbstzweck die Geste ist, und jenen anderen, denen wir unterstellen, einem Folgezweck zu dienen. Dazu zählen wir unter anderem alle Gesten, die einer Regel folgen, Regeln der Höflichkeit, des Knigges. Die Geste, so wie wir sie begreifen, benötigt zum einen eine Form von Zwecklosigkeit. Ich bringe keine Blumen mit, weil ich etwas erreichen will, sondern ich bringe Blumen um des Blumenschenkens willen mit. Zum anderen bedarf sie einer mangelnden Erwartungshaltung des Gegenübers. Wenn mich mein Kollege auf dem Flur freundlich grü.t, ist das noch keine Geste, sondern lediglich eine Handlung, die der standardisierten Form unserer gesellschaftlich vereinbarten Höflichkeit entspricht. Die Geste bedarf des Umweges des Handelnden. Auch das erfreut uns an ihr: Sie muss nicht sein und doch ist sie da. Die Geste offenbart die innere Haltung des Handelnden seiner Umwelt gegenüber. Denn wenn jemand einen großen Beutel Leckereien aus seiner Lieblingskonditorei mit zum Kolloquium bringt, wenn einen jemand einlädt, wenn einem jemand etwas ausleiht, ohne etwas dafür haben zu wollen, dann sagt das doch: So, so hätte ich die Welt gerne. Ich hätte gerne, dass wir gemeinsam Kuchen essen und uns Dinge teilen und ja, liebevoll miteinander sind.

Am Anfang haben wir uns noch gefragt, ob das jetzt für einen Ausstellungstext vielleicht doch zu viel um diverse Backwaren geht, aber die konditorische Geste drückt so viel poetischer als jede andere Allegorie aus, welches Miteinander man sich hier wünscht.

Kurt Cassady 

lafelce.de